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Die künstlerische Tätigkeit ist weitaus weniger mechanisch als die meisten Handarbeiten, die unsere Arbeitswelt zur Verfügung stellt. Dass es sich auch um Körperarbeit handelt, wird beim feinmotorischen Hantieren aus dem Handgelenk heraus gar nicht so sehr bewusst. Erst bei großformatigen Arbeiten in Lebensgröße bewirken die ausladenden Schwünge eine Vertiefung des Atems: es wird klar, dass wir es mit einer indirekten Bewegungs- und Atemtherapie zu tun haben. Das Bild als Erweiterung der Körpersphäre. Chaim Soutine warf sich in der Ekstase des Malaktes auf die noch nassen Leinwände. Cézanne, der Berührungsängstliche, setzt seine Spannungen in eine bildnerische Revolutionierung der Sehgewohnheiten um. Mit den Beispielen könnte man lange fortfahren, Beispiele für den Zusammenhang von Bildnerei und Körper.

Ich will mich auf einen Aspekt beschränken, den ich im ersten Abschnitt angedeutet habe. Es ist die Gegenübertragung und der Widerstand. Die Formel der "agierenden" Psychotherapie enthält ein Urteil über einen Mangel. Den, dass die Aktion den Schmerz und daher heilsamen Bewusstwerdungsprozeß in der Sprache unterlaufe, der zum Gelingen der Therapie dazugehört. Es ist ein wichtiger Gedanke und trifft sicherlich jene Methoden, die es bei einer rein kathartischen oder zudeckenden Methode bewenden lassen. Wo jedoch das Gespräch und die Deutungsarbeit hinzutreten, wird die analytische Arbeit nicht, wie befürchtet, verunmöglicht, sondern analog wie bei der Arbeit mit den Träumen, um unbewusstes Material bereichert. Allerdings ist natürlich mit dem Bildmaterial anders umzugehen als mit dem Traummaterial (siehe hierzu den Abschnitt "Der Alptraum").

Die Unterschiede zum klassischen Setting der Psychoanalyse sind eher technisch-methodologischer, nicht prinzipieller Natur. Es wird natürlich nicht auf der Couch liegend gemalt. Und die dyadische Übertragungssituation ist erweitert durch das dritte Objekt, das Bild. Das Bild tritt als Spiegel und "Schoß" dazwischen. Die psychoanalytische Kunsttherapie ist ein Paradebeispiel dafür, wie in einem zum "Agieren" stimulierenden Medium erfolgreich gearbeitet werden kann. Es geht hier um zwei unterschiedliche Formen des Agierens. Das in der Psychoanalyse verpönte Agieren, das vom Patienten mit der Absicht eingesetzt wird, einen peinlichen Diskurs zu vermeiden, abzulenken usw. ist zu unterscheiden von einem in kreativer Absicht begonnenen Agieren, bei dem gerade das Gegenteil, nämlich das spontane Ausdrücken unbewusster Gefühle gefordert werden soll. Das Gestalten tritt an die Stelle des Träumens, eine wesentliche Hilfe, wenn der Analysand seine Träume nicht erinnert.

Diese Vielschichtigkeit wird sichtbar im bildnerischen Produkt einer Gruppe. Das Thema einer Sitzung hieß: "Stellt Euch selbst als Tier dar." Der Körperbezug ist hier nicht mehr indirekte Bewegungstherapie oder Regression durchs Material, sondern Umsetzung der eigenen Triebkräfte in eine animalische Repräsentanz: ein Symbolbildungsprozess, in dem auch die Frage der Nachbarschaft (Nähe) zu den anderen Gruppenteilnehmern auftaucht.

Die Regression, die therapeutisch als "im Dienste des Ich" stehend gesehen wird, kann durch das Setting (z.B. auf dem Boden, auf der Couch liegend) durchs Material oder durch das Thema, wie oben bereits dargestellt, angeregt und gesteuert werden. Hier wird sie durch Thema und den lebensgroßen Bildträger erzeugt. Die neurotische Neigung ist, frühe Situationen zwanghaft zu wiederholen, eine gegenwärtige Situation in ihren aktuellen Bezügen zu verkennen und Wahrnehmung von Realität zu verzerren. Die Therapie macht sich die Neigung zu regredieren zunutze, unter dem Terminus der "emotionell korrigierenden" Erfahrung, indem sie an diesem Nullpunkt mit ihren Interventionen ansetzt. (Wenn ein Mensch vor einem überlebensgroßen, monumentalen Format steht, fühlt er sich womöglich durch die schiere Größe in die Position eines Kindes versetzt. Wir begegnen diesem Prinzip im manipulativen Gebrauch architektonischer Gestaltung in totalitären Gesellschaften, deren Herrschaftsinteressen durch die Infantilisierung der Massen erhalten werden soll. Walter Benjamin verweist darauf, dass im Faschismus die Massen zwar zu ihrem Ausdruck (Paraden, Aufmärsche usw.) kamen, aber nicht zu ihrem Recht. Deshalb ist immer Vorsicht geboten bei der Ästhetik der Massen! Sie ist an der Stereotypie, am Kitsch und an der Postkartenfarbigkeit erkennbar. Hitler sagte, dass er kein Bild akzeptiere, auf dem nicht der Himmel blau sei. Eine problematische Reaktion auf die faschistoide Haltung mit ihrer Unterwerfung unter das Kollektiv ist die Vorstellung einer Individuation im Sinne dieses von C.G. Jung elaborierten Begriffs. Sie neigt wohl eher dazu, schizoide Pathologie im Soziokulturellen zu rechtfertigen und zu verdecken, als dass sie demokratische Kultur fordern könnte. Um in den Therapien die rechte Verantwortlichkeit zu entwickeln, müssen wir uns deshalb über den Charakter und die Folgen unserer Methoden genau im Klaren sein. Sich selbst als Kind zu spüren, bleibt oft vorbewusst. Es ist aber auch etwas anderes als blinde Anpassung ans Regressive. Erst das überwache Bewusstsein eines Picasso konnte die Erkenntnis in Worte fassen, dass er Jahrzehnte gebraucht habe, um wieder so zu werden wie ein Kind. In der Analyse bedeutet dies ein notwendiges Durchgangsstadium.

Ein anderes Beispiel war ein Gruppenbild, bei dem eine Teilnehmerin eine Zeitlang eine Lähmung der ganzen Gruppe bewirkte. Sie hatte den Bildträger, ein Packpapier zerstört, indem sie eine Schlange ausgeschnitten und an einen anderen Platz auf dem Papier versetzt hatte. Sie benutzte die Gruppe, um eine alte Geschichte zu wiederholen. Sie hat ein denkbar schlechtes Verhältnis zu ihren Eltern und erlebte die Teilnehmerin, die sich als Schlange dargestellt hatte, wie ihre Mutter. Sie befürchtet die Nähe dieser Frau. Sie selbst hat sich als "Höllenratte" dargestellt. In ihr hat sie ihre abgespaltenen Teile dargestellt, die inneren Objekte der Eltern. Die Ratte sieht gleichzeitig furchterregend und bedürftig aus, ist elend und kann sich kaum bewegen. In der Höllenratte zeigt sich die höllische Symbiose, in der sie unbewusst noch mit Vater und Mutter verbunden ist. Diese ist so unerträglich, dass sie reaktiv ihre Mutter siezt und seit Jahren zu den Eltern auf äußerste Distanz gegangen ist. Dies ständige Pendeln zwischen unbewusster Symbiose und beabsichtigter Trennung wiederholt sie später mit ihrem Mann und der Tochter in einem ewig sich hinziehenden Scheidungsprozess. In den Sitzungen geht es häufig darum, diese abrupt abzubrechen, und zwar dann wenn durch eine einfühlsame Deutung des Therapeuten eine stärkere Nähe als bedrohlich erlebt wird. Ein Problem liegt darin, dass es schwierig ist, die Eltern zu differenzieren. Sie kann sich weder mit dem Vater noch mit der Mutter identifizieren und bleibt dadurch in einer Unsicherheit anderen Menschen gegenüber, die sie gegenwärtig nur mit unangemessener Aggressivität oder übertriebener Bescheidenheit beantworten kann. Dies ist ihr bewusst und sie leidet darunter.