Geschrieben von: Utta Hoffmann
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Konsequenzen für den weiteren Verlauf
Um aber neue me's zu erzeugen, bedarf es Situationen und Beziehungen, die das Selbstwertgefühl stärken, brauchen Jugendliche einen Bedingungsrahmen, in dem sie ihre eigenen Ressourcen spüren und erkennen können; darüber hinaus aber auch lernen, mit dosierten Kränkungen/Verletzungen umzugehen und Defizite zu bewältigen.
Die Chance, dass diese Gruppensituation für Nicole und Leonie den Bedingungsrahmen schuf, in dem eine Art psychosoziale und emotionale Nachnährung i.S. neuer Selbste stattfinden konnte, war groß und bestand aus einem Bündel verschiedener Faktoren: Dem Ort, das Atelier, der verlässliche Zeitrahmen, die feste Gruppe sowie ich als verlässliches Objekt mit positivem Interesse an den Mädchen.
Und dennoch war meine innere Haltung dem Projekt als meinem Experimentierfeld gegenüber eine gewesen, bei der mehr das kunsttherapeutische Konzeptinteresse/Agieren auf der Bühne gestanden hatte, denn meine Empathie den Mädchen gegenüber. Bisher hatte immer wieder die Gefahr bestanden, meine Vorstellungen und Deutungslinien den Mädchen aufzuoktroyieren statt mich ihnen von innen her zu nähern, mich an ihrem Erleben zu orientieren und von hier aus die psychodynamischen Verknüpfungen zu erarbeiten.
EmotionaleAufmerksamkeit
Ich hatte mich wie eine Mutter (Nicoles Mutter!) verhalten, die zwar für Essen und Getränke, einen Raum, Farben und Programm sorgt, aber das Wesentliche missen lässt : emotionale Aufmerksamkeit! Andererseits hatte es in der 1. Phase immer wieder unerwartete Situationen gegeben (Leonies Ganzkörperbild, Nicoles Diebstahl, Geburtstagswunschbild für Nicole etc.), die mich berührt und in denen ich spontan die Gefühlsdurchbrüche der Mädchen getragen oder gehalten hatte. Es waren Augenblicke eines intensiven Gefühls von Zusammengehörigkeit und einer gemeinsamen Bedeutung.
BeziehungDarin war Beziehung aufgeflackert und gefühlt. Es waren genau jene lebendigen Momente gewesen, in denen - jenseits von kunsttherapeutischen Aufgabenstellungen - winzige Irritationen an etwas tief verborgen Lebendigem arbeiteten. Bion drückt dies klar aus, wenn er feststellt, dass eine emotionale Erfahrung nicht isoliert werden kann von einer Beziehung. "Umgekehrt ist eine Beziehung nicht ohne eine emotionale Erfahrung möglich." Und die erste menschliche Beziehung, in der erste emotionale Erfahrungen gemacht werden, ist die Beziehung zur Mutter.