Geschrieben von: Utta Hoffmann
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In die Welt hinaus
Es wurden noch etliche Maskenbilder für die gemeinsame Ausstellung hergestellt. Fast zwei Wochen lang hingen die Maskenbilder der Mädchen in einem öffentlichen Raum, für alle sichtbar in einem Schaufenster:
Zur Ausstellungseröffnung gab es ein intensives gemeinsames Happening, bei dem die Mädchen mit anderen Passanten zusammen Kartons bemalten.
Auch ihre Mütter hatten die Mädchen eingeladen und, bis auf Leonies Mutter, waren alle gekommen.
Während Nicole ihrer Mutter stolz die Ausstellungsbilder zeigte, spürte ich die zunehmende Enttäuschung von Leonie.
Als alle schon gegangen waren, blieb sie noch bei mir, half bei den letzten Ab - und Aufräumarbeiten.
Zwischen uns war ein stilles Miteinanderschwingen. Ich sprach mit ihr über diese Enttäuschung, und dass sie bestimmt noch Zeit finden
werde, um ihrer Mutter die Bilder zu zeigen.
Dass ihre Mutter - trotz innigen Hoffens - nicht erschienen war, sie also mal wieder nicht gesehen wurde, konnte ich in der
Übertragung spüren und versuchte diese Verletzung mit "mütterlicher Zärtlichkeit"
umzuwandeln, indem ich mit Leonie noch einmal sehr intensiv alle ausgestellten Maskenbilder, besonders ihre eigenen, anschaute.
Danach fuhr ich sie nach Hause. Diese Ausstellung mit dem aktiven Happening war sehr laut gewesen und wurde durch das Finale mit Leonie immer stiller. Erst in dieser Stille und auch durch die abwesende Mutter von Leonie, spürte ich die Traurigkeit und das Bedürfnis, den Mädchen zum Abschied noch eine symbolische Containermama zu schenken - eine kleine geheime Schatzbox, eine Miniatur des Atelierorts sozusagen.
Beim letzten Zusammensein bemalte jede mit wertvollen Tubenfarben als Zeichen der Wertschätzung ihren kleinen Karton.
Im Gegensatz zur lauten Ausstellungseröffnung war das Bemalen der kleinen Schachtel ein stilles meditatives Ritual.
Sie sollte all das aufnehmen und bewahren, wofür die Mädchen sonst keinen sicheren Ort finden: Ängste, Wutanfälle, Geheimnisse etc.
Ich hatte einen kleinen, dickbäuchigen Buddha mitgebracht und erzählte ihnen, dass der Buddha in seinem Bauch alle Sorgen,
Nöte und Probleme bewahre und sie dort in seinem Bauch zu Erkenntnis umwandeln könne.
Monate später nahmen die Mädchen mit mir noch mal Kontakt auf und wollten ein Wiedersehentreffen.
Es fand wieder malend im Atelier statt. Diesmal wurden viele Herzen gemalt!
Dieses Wiedersehen kam mir wie eine Vergewisserung des Orts vor. Leonie hatte sich äußerlich stark verändert: Ihre Kleidung war weiblicher geworden
und ihr Verhalten emotionaler. Sie erzählte begeistert von ihrem Zimmer.
Nicole hatte einen Brief und Bild ihres ‚echten' Vaters mitgebracht und ließ die anderen teilnehmen an diesem allerersten Kontakt zu ihrem Vater.
Sie erzählte aufgeregt von dem ersten Telefonat. Ihre Mutter hatte bislang den Kontakt zum Vater gemieden, hatte aber jetzt, durch Nicoles Drängen,
ihr Verhalten geändert.