Geschrieben von: Utta Hoffmann
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Übertragungsdynamik
Zu Beginn der Gruppe hielt mich Leonie auf Distanz, ignorierte mich und bezog sich vollständig auf Marlene. Ich merkte, wie ich ihre Igoranz adaptierte. Wie gesagt, Leonie wollte ursprünglich nicht zu der "blöden Malgruppe", schon gar nicht ohne ihren Bruder. Selbst in diesem Widerstand schien sich Malen mit dem Vater zu konnotieren und war demzufolge wechselseitig negativ besetzt. Die bösen Objektanteile übertrug sie auf mich (s. Die 6 Spontanen) und ich reagierte auch voll in der Übertragung - allerdings vollständig unbewusst. Da mir zu jenem Zeitpunkt die therapeutische Arbeit in der Übertragung unbekannt war, konnte ich nur mit meinem Gefühl in der jeweiligen Situation arbeiten. Zum Beispiel beim Ganzkörperbild hatte ich vollkommen intuitiv reagiert, mich hinter sie gestellt und sie am Zerstören ihres "Selbst" - Bildes gehindert. Mit dieser haltenden, körperlichen Berührung konnte ich sie emotional beruhigen und stabilisieren. Durch den richtigen Nähe-Abstand zum Bild stellte sich für sie ein anderer Blick auf ihr Bild her, was letztlich dazu führte, dass sie, zwar in Maßen, aber immerhin in einem ersten Schritt auch die dunklen Anteile (s. Schwarze Flügel links und rechts) zulassen konnte.
Andererseits war mir, als würde Leonie durch und über die Malerei in der Gruppe offenbar eine unbewusste Beziehung zu ihrem Vater aufbaute, die langsam zum Vorschein kommen durfte. So nahm sie manch eine Bezugnahme von mir hinsichtlich ihres Vaters an. Zum Beispiel, dass sie den souverän, malerischen Farbumgang wohl von ihm geerbt hätte, oder ob sie sich erinnere, welche Art von Bildern ihr Vater denn male ?. Sie zeigte auf meine Pigmente im Regal. Er male auch mit, solchen Farben ganz große Bilder, wo nur Farben drauf seien. (Zit. Leonie) Durch diese kleinen Erzählsplitter und sinnlichen Eindrücke wurde der Vater von Leonie immer anwesender und sie konnte ihn immer besser präsent werden lassen.
Elemente der Gegenübertragung
IdentifizierteGegenprojektion
Das polarisierende "einerseits - andererseits" von Leonie treibt auch in mir sein Spiel. Ich fühle mich abgelehnt durch die anfänglich kühle Distanziertheit von Leonie, baue andererseits einen leichten Widerstand auf. Je mehr ich mich abgelehnt fühle, desto mehr kapsele ich mich ab und gehe auf Distanz; andererseits spüre ich in mir ein ehrgeiziges Verlangen diese Coolness aufzubrechen, um Nähe herzustellen. Eine alte Wunschprojektion meinerseits. Sie knüpft an ein Gefühl aus meiner Kindheit an, in der meine Mutter für mich weit weg, eben emotional nicht anwesend war. Der Wunsch nach emotionaler Nähe trieb eigensinnige Blüten. Später wollte ich alles tun, um die ablehnende Ignoranz meiner Eltern zu durchbrechen, wollte mit viel Leistung, die Ablehnung in Anerkennung umwandeln. Hinzu kam die Verantwortlichkeit für meine Geschwister. Das verbindet sich für mich spiegelnd mit der mütterlichen Verantwortlichkeit, die Leonie an den Tag legt. Mir stellt sich die Frage, ob sie je die verspielte Unbedarftheit des Kindseins erfahren hat? Ich spürte den Wunsch, Leonie die emotionale mütterliche Nähe zu geben, die auch mir versagt blieb und die Voraussetzung für eine sich entfaltende kindliche Phantasie im Spiel ist - weil ja jemand anderes einem die Sicherheit dazu gibt!