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Phase II : "Containermama"
Assoziationen zu Nicole
Trennungssituation der Eltern
ROTbild
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Fazit zur Phase II
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Fazit zur Phase II : "Containermama"

Diese zweite Phase stand im Zeichen des mütterlichen Containens, und zwar wie bereits oben ausgeführt, ging es darum, eine sichere, vertrauensvolle, fürsorgliche Beziehung zur Gruppe und insbesondere zu Nicole und Leonie aufzubauen.
Nur durch diese mütterliche Matrix können Emotionen freigesetzt und gegebenenfalls transformiert werden. In dieser Phase gab es Ereignisse, die von Außen in den Innenraum einbrachen: die Trennung von Nicoles Eltern, der leibhaftige Bruder von Leonie, der abwesende Geburtstag von Leonie etc.
Zum Teil spülten diese Ereignisse negative Gefühle an die Oberfläche, die die Gruppe und ich, aber auch die Malprozesse halten und wandeln mussten. Kreative Prozesse erleichtern diese Umwandlung, denn frühe Traumen können auf das Bild verschoben werden. Insofern übernehmen, meiner Beobachtung nach, nicht nur die Bilder, sondern manchmal noch mehr die Bildprozesse selbst Containing - Funktion.
Während der Malprozesse zeigte sich nämlich, dass sowohl Nicole als auch Leonie allmählich immer mehr ihre Emotionskapseln öffnen konnten. In Formen und Farben wurden tiefe, frühe Verletzungen an die Oberfläche gespült und im Bildgeschehen sichtbar. Insofern waren immer wieder Situationen entstanden, in denen tatsächlich die Regression im Dienste des Ichs arbeitete.

Bei Nicole setzte das äußere Ereignis der Trennung ihrer Eltern, sowie die darauf einsetzende emotionale Abwesenheit der Mutter zweierlei frei:

  • Einerseits ihr Zufrühkommen, mit dem sie sich bei mir mütterliche Nachnährung abholte. Wie ein kleines Kind erst die Fähigkeit zum Alleinsein in der Anwesenheit der Mutter entwickeln muss, so schien sich Nicole in den halben Stunden jene emotionale Sicherheit zu holen, die es bei ihrer Mutter nicht gab.
  • Andererseits brach in einer Parallelbewegung dazu ihr ROT massiv durch, womit sie den emotionalen Kontakt zu sich selbst herstellen konnte und ihre aggressiv-lustvollen Impulse im Bild ausleben konnte.

Mich freute diese emotionale Öffnung bei Nicole. War ihr Rot doch anfangs nur in den winzigen Brombeerpünktchen im Baumbild (s. S. 10 - 12) sichtbar gewesen, hatte es sich dann über die roten Backenohrringe und Hörnchen im übermalten Tastporträt (s. S. 43) vorgewagt bis es in den großformatigen Rotbildern fast zu einem hypnotischen Rausch geworden war.

Parallel zu dem durchbrechenden ROT konnte sich Nicole ganz langsam und regressiv - zerstörerisch von ihren stereotypen, mütterlich besetzten Blondschemata lösen. Symbolisch und visuell wurde diese Transformation in ihrem letzten Maskenbild sichtbar: Nur noch Relikte des Blondschemas sind sichtbar. Das Rot des Gesichts dominiert.

Bei Leonie zeigte sich die Regression anfangs inhaltlich (s. S. Kükenbild), später aber auch formal und farblich mit dem Durchbrechen der Farbe Rosa. Dieser Durchbruch ging einher mit einer Veränderung ihrer äußeren Erscheinung (= Selbstbild). So war es nicht nur die selbst erkämpfte, neue Brille gegen den Widerstand der Mutter, sondern auch weibliche Attribute wie Locken in den Haaren und ein Rock, mit dem sich Leonie plötzlich zeigte.

Aber auch auf der gruppendynamischen Ebene hatte sich ein Selbst-Bewusstsein entwickelt. Die Mädchen hatten es gewagt, sich von mir zu trennen (s. kleine Revolte).
Dieser kleine Befreiungsakt ähnelte dem Versuch sich aus einer libidinösen Bindung zu den Elternobjekten zu lösen. Ich selbst als ein anderes Objekt war - in der Übertragung - sozusagen damit auch zu einem Versuchsobjekt geworden.

Für mich selbst bestand die Anstrengung des "mütterlichen" Containens gerade darin in gleichbleibender Aufmerksamkeit für alles zu sein und parallel dazu ein Gespür für den Zeitpunkt zu entwickeln, der ein Eingreifen meinerseits erforderte. Entstehende Spannungen, Hilflosigkeit oder ängstliche Unsicherheit in der Übertragung nicht nur auszuhalten, sondern zu halten. Nicht übereifrig und ehrgeizig diese unangenehmen Zustände wegzuagieren, sondern ein Vertrauen zu entwickeln, dass es gerade diese Zustände sind, die den Seelenkompost enthalten, durch den sich etwas wandeln kann.