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Phase II : "Containermama"
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ROTbild
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Fazit zur Phase II
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Zeige deine Maske - sie zeigt dich!

Auch die zwei Gesichtsmuster, die sich im Bild verstecken, verweisen auf den emotionalen Zwiespalt Nicoles: Einerseits ein stereotypes Smiley - Gesicht (zwei hellblaue Punkte und ein lachender Mund), andererseits im Vordergrund das deformierte Blondschema mit den "zugedeckten" grünen Kreisaugen und der roten Wurmnase.

Zum Schluss beginnt sie eigenständig das immer noch rechts daneben hängende schwarze Bild mit Rot großflächig zu übermalen. Es kommt mir wie ein Rückgriff auf die ICH - stärkende Erfahrung ihres roten Bildes aus der "freien roten Zone" vor. Die zwei nebeneinander hängenden Bilder von Nicole legen ihre Psychodynamik offen. Sie erzählen von der Ablösung aus dem gefügigen Blondschema-Stereotyp zugunsten einer neuen Gefühlserfahrung, die sich m. E. im rechten Rotbild spiegelt. Oder anders ausgedrückt, wo formal eine Regression sichtbar wird, ist farblich eine Progression eingetreten.

Leonies Masken

Leonie war im Malprozess der Masken sehr versunken. Sie liebte dies raumgreifende, großformatige Malen und produzierte gleich mehrere Masken hintereinander. Auf den ersten Blick scheint es zwischen der 1.Maske und der 3.Maske, durch die heraushängende Zunge eine formale Ähnlichkeit zu geben. Allerdings unterscheiden sie sich beträchtlich im Ausdruck: In der ersten Maske dominieren starke Rottöne und dem Gesamteindruck haftet etwas fratzenhaft Gewaltsames an.

Fast entsteht der Eindruck, als solle der Mund von außen gewaltsam mit einem zungenähnlichen Spatel geöffnet werden. Auch die ganze untere Gesichtshälfte verzerrt sich nach rechts. Wie unter einer Fremdeinwirkung stehend, verdrehen und verdoppeln sich gar noch die Augen nach oben - eine geschundene Opferfigur, die fast an der eigenen Potenz (ROT) zu ersticken droht oder von etwas anderem gewürgt wird.

Durch die 2. Maske - in denen die anderen beiden Primärfarben die Hauptrolle spielen: gelb und blau, schimmert dahinter liegendes Rosa geheimnisvoll durch. Die Maske selbst wirkt wie ein wilder Wundverband (s. die gebündelte Strichführung).
Bei mir tauchte die Frage auf, ob Leonie hier ihr Rosa, ihren zarten, verwundbaren, letztlich weiblichen Kern zudeckt? Ist es Vorsicht oder Angst, die ihn hindert zum Vorschein zu kommen?
Sie hatte es gewagt, zu allererst mit Rosa zu beginnen, es dann aber schnell wieder mit gelb-blau übermalt! Als sei es noch zuviel für sie gewesen, ihrem Rosa ins Auge zu schauen. In dem Übermalakt selbst steckt bereits die Geste des Verbindens, wenn man sich die Pinselführung genauer anschaut.

Erst in der dritten Maske darf das Rosa auftauchen - als offener Hintergrund und in Kombination mit Schwarz bzw. dem schwarzen Ei. Im rosa-schwarzen Zusammenspiel liegt etwas sehr Verspielt- Gewitztes, was durch Augen, Mund und der keck ausgestreckten Zunge i. G. zum 1. Maskenbild noch unterstrichen wird. Farbpsychologisch gesehen gibt es wohl kaum einen größeren Gegensatz zwischen der ver - und bedeckenden Farbe Schwarz und der zarten, fast nackten Farbe Rosa. Ob in diesem Fall das Schwarz von Leonies unbewusstem Pinsel gewählt wurde, um es als individuelle Abgrenzung und Stabilität gegenüber dem empfindsamen Rosa einzusetzen ? Ich weiß es nicht.

Auffällig sind jedoch die Ringschichten der Maske, die einem schwarzen Ei ähnelt. In der Mitte befindet sich ein dunkelblauer Kern, um den herum erst eine dunkelgrüne, dann als letzte äußere, eine schwarze Schicht liegt, so dass der Eindruck eines geschützten Kernselbst entsteht.


Wanderschaft von
Rot zu Rosa

Wie schon bei Nicole wurde durch eines der nächsten Bilder Leonies deutlich, welche Wanderschaft das Rosa aus den tiefsten Seelenschichten Leonies bis in den Vordergrund des Bildes gemacht hatte. Eine Umkehrung: Das Rosa des Hintergrunds wanderte in das Gesicht, wohingegen das Dunkelblau des Kerns zum Hintergrund wurde.

Es war eine langsame Annäherung an eine Farbe, die bei Leonie noch Monate zuvor heftigsten Widerstand ausgelöst hatte. Rosa ist eine Farbe, die kleine Mädchen zwischen drei und fünf Jahren lieben (ödipale Phase). Eine Farbe, die auch etwas zu tun hat mit körperlichen Aspekt von Weiblichkeit, eines sich selbst Bewusstwerdens von Geschlechterdifferenz. Darüber hinaus steht Rosa für empfindsam, romantische Weichteile, die, wenn sie abgespalten werden, oft als Kitsch in Erscheinung treten.

Mir kommt wieder die Übung aus der ersten Phase in den Sinn, bei der Leonie stark das Rot abgewehrt hatte ( "Rot ist hässlich"), sodann war es ihr Rosa - Seelenanteil, den sie in Verbindung mit der Spielzeugpistole total ablehnte. Jetzt in der Maskenübung war das Rosa aus dem Bildhintergrund nach vorne gewandert war. Diese Bewegung beschreibt G. Schmeer als den Wasserrad - Effekt: "Es ist, als ob ein Wasserrad in Bewegung gesetzt worden sei. Aus der Tiefe hebt es immer neue, schier unerschöpfliche Bilder ans Licht. Das ICH assimiliert, wächst und wandelt sich."