Beitragsseiten
Kunstunterricht zielt auf Wandlung der Sehweise | Apakt Hamburg
Wandlung
Alle Seiten

Ich glaube, Sie verstehen die Wandlung, die damals in mir vorgegangen war. Ich bin kein Maler; aber wer ist einer? Wenn ich wie ein Maler handle, so ist das Ergebnis etwas, das nur ein Maler machen kann. Werde ich dadurch verändert? Verliere ich meine Identität? Im Augenblick selbst dachte ich natürlich nicht in diesen Begriffen; aber ich fühlte mich verunsichert durch die Veränderung, die Jacoby durch seine Fragen in mir bewirkt hatte. Er hatte mir nicht gezeigt, wie es zu machen sei. Erinnern Sie sich an den Tänzer und die Frau? Sehen Sie in diesen beiden Beispielen von Lernen, so verschieden sie auch scheinen mögen, etwas Gemeinsames? Ich ja.

Ich verabschiedete mich von Jacoby und kehrte in mein Zimmer zurück. Dort stand auf dem Tisch ein gläserner Krug, zur Hälfte mit Wasser gefüllt. Er stand da wie eine Herausforderung, und in mir war etwas wie eine Überzeugung, die sich als Drang äußerte, den Krug auf einem Blatt abzubilden. Und etwas kindisch dachte ich auch, ich würde Jacoby zeigen können, daß ich nicht ganz so ungeschickt wäre, wie ich ihm scheinen mußte. Ich zeichnete überhaupt keine Linien, sondern machte da und dort nur Andeutungen, und alles übrige waren helle und dunkle Flecken. Als es fertig war, konnte man den Wasserspiegel sehen, das Spiel des Lichts im Wasser deutlich unterscheiden vom Licht auf dem Glas, obwohl beides durchsichtig war. Ich hatte das Gefühl, ein Meisterwerk geschaffen zu haben und daß ich um mindestens zehn Zentimeter größer geworden wäre.

So kam ich darauf, daß der Qualität des Maler-Seins keine Grenzen gesetzt sind, wie sich das im Malen zeigte. Und ich muß mich zurückhalten, um Ihnen nicht noch zu erzählen, wie ich immer mehr Maler wurde während der wenigen Wochen, da ich mit Jacoby “tanzte”. Er hat mir nie gezeigt, wie man zeichnet oder malt, und er hat mich nie belehrt. Ohne es auch nur zu erwähnen, weckte er in mir die Frage, warum ich beim Zeichnen meiner eigenen Lehre nicht gefolgt war”.

Im Kunstunterricht der APAKT beziehe ich mich auf drei Aspekte einer Wandlung der Sehweise:

Der Kunstunterricht der APAKT ist mit der geringen Stundenzahl von 120 Stunden lediglich als begleitetes Selbststudium konzipiert. Hierzu gibt es ein Projekt, welches die Weiterbildung über die ganze Zeit begleitet. Es heißt “Der Patenonkel” und bezieht sich auf die Wahl eines großen Meisters, mit dem sich der Schüler aktiv identifiziert, die Wiederentdeckung von Eigenem und die Öffnung gegenüber dem Fremdem und Neuen als Lernprozeß. Es geht hauptsächlich darum, ein Problembewußtsein nicht nur für die Themen des Ästhetischen, sondern vor allem für das Künstlerische im bildnerischen Ausdruck der Ungeübten, die ja später das potentielle Klientel bilden, zu entwickeln.

Eine Befreiung vom Kunstunterricht ist selbst für Ausbildungsteilnehmer, die sich als “fertige Künstler” verstehen, nicht möglich, da die Reflexion der eigenen künstlerischen Sensibilität vor dem Hintergrund der therapeutischen Ausbildung unumgänglich ist.